So ungefähr ist es mir in letzter Zeit ergangen. Nachdem meine ersten Sude durchweg gut – teilweise sogar sehr gut – bei Freunden, Bekannten und auch bei mir selbst angekommen sind, wurde ich schnell, vielleicht zu schnell, experimentierfreudiger. Das führte letztlich dazu, dass meine letzten zwei Sude so misslungen sind, dass sie im Ausguss gelandet sind.
Aus diesem Grund möchte ich mich nun selbstkritisch hinterfragen.
Wie ich sicher schon einmal erwähnt habe, sehe ich mich mit nicht einmal 20 Suden ganz klar als Anfänger – und das bin ich auch. Um das entstandene Vakuum eines Hobbys zu füllen, das ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann, habe ich vor gut einem Jahr mit dem Bierbrauen angefangen. Da ich allerdings nicht der Typ für „klein anfangen und mal schauen“ bin, habe ich direkt Nägel mit Köpfen gemacht: Ein Grainfather G30, zwei konische Fermenter, ein Glykol-Chiller und noch viele weitere Spielereien mussten her.

Theoretisch war ich schnell tief im Thema drin – das Internet liefert schließlich genug Stoff für monatelange Recherche. Praktisch hingegen war ich völlig unerfahren, als ich mich an meine ersten Sude gewagt habe. Diese waren relativ einfache SMaSH-Biere (Single Malt and Single Hop) im Pilsner-Stil, die – zu meiner damaligen Überraschung – sogar richtig gut geschmeckt haben.
Da ich von Haus aus ein großer Pale-Ale-Fan bin und es für mich nicht fruchtig und aromatisch genug sein kann, war mein dritter Sud direkt ein American Pale Ale mit ordentlich Aromahopfen im Whirlpool und beim Stopfen. Die Begeisterung im Freundeskreis war groß, und ich wurde direkt gefragt, ob ich noch eine weitere Charge brauen kann (die übrigens noch auf sich warten lässt – sorry, Matze). Rückblickend war ich danach vermutlich etwas zu sehr von mir überzeugt.

Mit breiter Brust wollte ich sofort anfangen zu experimentieren. Mehr Malzsorten, die meiner Meinung nach „schon irgendwie zusammenpassen“, wilde Hopfenkombinationen und Experimente mit verschiedenen Hefen führten jedoch dazu, dass ich meine letzten beiden Sude verwerfen musste.
Der erste misslang, weil ich unbedingt auch das Gären unter Druck im KEG ausprobieren wollte – was überhaupt nicht funktioniert hat. Der zweite scheiterte daran, dass die Karbonisierung mit Zucker aus unerklärlichen Gründen nicht eingesetzt hat. Das anschließende Herumprobieren führte schließlich zu einem Getränk mit deutlich ausgeprägtem Mandelaroma.
Ja – Mandelaroma… Blausäure… Benzaldehyd… Oxidation… kurz gesagt: absolut ungenießbar. Und bevor ich am Ende noch mit meiner Gesundheit experimentiere, habe ich das Ganze lieber direkt entsorgt. Andere probieren lassen? Auf keinen Fall.
Jetzt stellt sich für mich die Frage: Wie konnte es dazu kommen – und warum?
Mir geht es dabei nicht um die Frage, wie sich Fehlaromen bilden – dazu gibt es mehr als genug Informationen im Internet. Vielmehr frage ich mich: Habe ich vielleicht einfach zu schnell zu viel gewollt?
Zugegeben, die misslungenen Ergebnisse haben mich ziemlich frustriert. Kurzzeitig war ich sogar drauf und dran, alles hinzuschmeißen. Stattdessen habe ich mich aber besonnen und angefangen, die Ursachen zu analysieren – und die lagen vor allem bei mir selbst.
Die Erkenntnis kam schnell: Ich wollte zu viel, zu schnell und am besten alles auf einmal. Bestehende Rezepte habe ich großzügig abgeändert, Maischprofile wild angepasst und mir alles so zurechtgebogen, bis es irgendwie gepasst hat. Dazu kam dann noch irgendeine Hefe, die sich gut anhörte, vermutlich überdosiert, kombiniert mit „kreativen“ Gärprofilen – einfach, weil ich hier und da etwas darüber gelesen hatte.
Zu viele Experimente gleichzeitig.
Versteht mich nicht falsch: Ich glaube, gerade im Hobbybraubereich ist Experimentieren essenziell und mein Mai-Bock ist ebenfalls super geworden (halt ein einfaches Rezept). Aber wenn man zu viele Dinge auf einmal verändert, kann man im Fehlerfall nicht mehr nachvollziehen, woran es gelegen hat. War es das Maischprofil? Der neue Hopfen oder dessen Menge? Das ungewöhnliche Wasserprofil? Oder doch einfach die Hefemenge? Oder einfach alles zusammen.

Hätte ich mich stattdessen auf bewährte Rezepte konzentriert, diese sauber gebraut und verkostet – und erst danach gezielt einzelne Variablen verändert – hätte ich viel besser vergleichen können.
Und mir wahrscheinlich eine Menge Frust erspart.
Mein Fazit: Zu viel, zu schnell und alles auf einmal funktioniert einfach nicht. Also reiße ich mich jetzt zusammen und fange noch einmal neu an – Schritt für Schritt und alles zu seiner Zeit.


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