
Da mir der Kalender ganz klar zu verstehen gegeben hatte, dass Brautag war, blieb mir nicht viel anderes übrig, als den Kessel anzuwerfen.

Vorweg musste ich gleich erwähnen, dass von Anfang an geplant war, etwas „Neues“ auszuprobieren. Da ich Besitzer eines iGulu S1 bin und das „Brauen“ mit Fertigmalzextrakt für mich nicht unbedingt „BRAUEN“ ist (der Brauer macht die Würze, die Hefe das Bier …), wollte ich das Gerät diesmal mit selbst angesetzter Würze bestücken. Das brachte gleich mehrere Neuerungen mit sich. Zum einen war es für mich neu, das Gerät nicht mit Malzextrakt zu füttern und zum anderen bedeutete es zeitgleich, einen verhältnismäßig kleinen Sud von nur 3,5 l zu kochen. Da ich normalerweise irgendetwas zwischen 19 und 23 Litern Würze koche, war diesmal eben alles viel „kleiner“ – weniger Malz, weniger Hopfen.
Der Grainfather G30, den ich sonst benutze, erschien mir dafür etwas „over the top“, zumal er bei den geringen Mengen auch gar nicht richtig einsetzbar ist.
Also musste ein weiteres, bis dahin unbekanntes Feld für mich geöffnet werden. Ich entschied mich für ein BIAB-Verfahren (Brew in a Bag) ohne Nachguss.
Als Kessel diente mir diesmal ein 12-Liter-Kochtopf* mit passender „Bag*“. Zur besseren und einfacheren Temperatursteuerung verwendete ich ein Induktionskochfeld, das mittels Temperaturfühler eine eingestellte Temperatur selbstständig hielt.
Nachdem die Küche gereinigt, alle Oberflächen desinfiziert und die benötigten Gerätschaften bereitgelegt waren, begann ich damit, die Schüttung abzuwiegen. Um die gewünschten Werte zu erreichen (siehe Rezept), verwendete ich:
- 860 g Pale-Ale-Malz der Steinbach-Malzerei
- 110 g Weizenmalz von Weyermann
- 50 g 08/15-Haferflocken aus dem Supermarkt

Parallel dazu wurde die benötigte Wassermenge von gut 6,7 l über den Filter in den Kessel gefüllt und die aktuellen Wasserwerte ermittelt, die anschließend mithilfe der Brewfather-App angepasst wurden. Mehr zum Filtern von Wasser findet ihr hier.




Das Maischprofil wollte ich diesmal denkbar simpel halten. Ziel war eine Kombirast bei 66 °C für 60 Minuten, gefolgt von einem Mash-out bei 78 °C für 10 Minuten. Die Einmaischtemperatur setzte ich bei 69 °C an, um nach dem Unterrühren der Schüttung auf 66 °C zu landen und die Kombirast direkt starten zu können.

Während die Maische vor sich hin rastete, bereitete ich den Hopfen vor:
- 14 g Chinook bei 10 Minuten Restkochzeit
- je 3 g Amarillo, Chinook und Simcoe bei Flame-out
Später sollten noch je 7 g Citra, Amarillo, Mosaic und Simcoe für 3–4 Tage gestopft werden.
Etwas, das ich mir gleich angewöhnt hatte, war, die tiefgefrorenen Hopfenpellets sofort wieder zu vakuumieren* und zurück in die Tiefkühltruhe zu packen. In meiner Gedankenwelt hält sich der Hopfen so einfach länger frisch.


Gut 10 Minuten nach dem Mash-in kontrollierte ich den pH-Wert. Die 0,1 über dem Zielwert tat ich als Messtoleranz ab. Nebenbei wurde die Maische alle 10 bis 15 Minuten einmal durchgerührt.


Nach 60 Minuten bestätigte mir ein Jodtest, dass die Verzuckerung abgeschlossen war. Also konnte das Abmaischen beginnen.



Über das Läutern beim BIAB scheiden sich ja die Geister: Quetscht man den Sack aus oder lässt man ihn nur abtropfen?
Um jeglicher Diskussion aus dem Weg zu gehen: Ihr werdet nie erfahren, wie ich es gemacht habe – dürft mir aber gerne eure Erfahrungen mitteilen 😊
So oder so lag die Stammwürze vor dem Kochen mit 10,6 °P leicht über dem Zielwert von 10 °P.


Das große Kochen konnte also beginnen.
Die 50 Minuten bis zur ersten Hopfengabe überbrückte ich damit, den Gärbehälter und die Utensilien, die später beim Abfüllen benötigt wurden, mit Five Star „Star San“ zu desinfizieren. Die letzten 10 Minuten vor Kochende kamen die 14 g Chinook dazu und bei Flame-out das bunte Trio.



Nachdem das Kochende erreicht war, wurde die Würze mittels gutem alten „Abwarten“ am offenen Fenster auf die für die Hefe benötigten 20 °C heruntergekühlt und anschließend über einen Feinfilter in den Gärbehälter umgefüllt. Ein Würzekühler* hätte hier bessere und schnellere Arbeit geleistet – war aber nicht verfügbar.
Denkt bitte daran, dass ab Flame-out absolute Sauberkeit und Reinheit beim Umgang mit der Würze nötig sind. Desinfiziert alle Gerätschaften vor und nach jeder Verwendung, wascht und desinfiziert eure Hände und tragt zur Sicherheit Handschuhe.




Etwas verunsichert hatte mich die Stammwürzemessung nach dem Kochen. Stolze 16,8 °P statt der geplanten 14,7 °P standen auf dem Tacho. Nachdem ich die Messung mehrfach überprüft hatte, entschloss ich mich, die Würze mit 0,6 l Wasser zu verdünnen, um immerhin bei 15 °P zu landen. Warum und wieso das geschehen war – ich habe keine Ahnung. Ob es daran lag, dass die Stammwürze vor dem Kochen schon etwas höher als geplant lag, wage ich zu bezweifeln – jedenfalls nicht in der Höhe.
Die M66 Hophead-Ale-Hefe von Mangrove Jack’s (Achtung: Die Hefe enthält bestimmte Enzyme, welche speziell bei IPA´s die Aromen des (Stopf-)Hopfens zur Geltung bringen sollen – daher eher nichts für Reinheitsgebot-Verfechter!) wurde mit 50 ml abgekochtem und auf 20 °C abgekühltem Wasser rehydriert. Dabei schüttete ich die benötigte Hefe (in diesem Fall 0,5 Päckchen, also 5 g) auf das Wasser in einem Erlenmeyerkolben* und ließ alles zunächst 10 Minuten stehen. Danach schwenkte ich den Kolben vorsichtig, bis sich eine milchige Suspension gebildet hatte, die ich nach weiteren 10 Minuten zur Würze gab.

Als Gärprofil entschied ich mich für ein Standardprofil, das iGulu für ein Ale vorgibt:
20 °C für 8 Tage, 22 °C für 5 Tage und 3 °C für einen Tag – alles bei 1,5 bar.

Ob das Ganze etwas wird, werden die kommenden Tage zeigen. Ich ergänze den Blog noch nach und nach mit Infos u.a. wie verläuft die Gärung, wie kann ich mit dem iGulu Hopfenstopfen usw.
Es lebt!
Stand: 25.01.2026
Keine 12h später zeigt die Hefe ihre Vitalität und arbeitet sich nach und nach durch das (jetzt) Jungbier. Der iGulu verrichtet bei der Gärsteuerung hervorragende Arbeit. Meine aktuelle Überlegung ist, ob die 1,5 bar später nicht für zu viel Karbonisierung sorgen… Aber das wird sich wohl zeigen. Eben dafür ist ein „kleines Batch“ genau richtig – zum ausprobieren und testen. Ihr lest wieder von mir, wenn es Zeit zum Umfüllen und Hopfenstopfen ist.

Hopfenstopfen
Stand 03.02.2026
Heute wurde es Zeit um den Hopfen zu stopfen.
Jeweil 7g Citra, Amarillo, Mosaic und Simcoe galt es dem HazyMöv zuzuführen.
Dazu habe ich erstmal ein zweites Keg und das benötigte Zubehör entsprechend vorbereitet und desinfiziert.

Als Behältnis zum stopfen verwende ich für den iGulu ein Teesieb*. Für die Verwendung im iGulu mit bummelig 4 Litern sind diese von der Größe her allemal ausreichend, wobei 25g das Maximun sind, welche man eingefüllt bekommt.
Da ich kein Freund davon bin den Hopfen im Behältnis eifach auf den Boden zu werfen, habe ich meinen iGulu etwas modifiziert. In den kleinen Streben im Deckel habe ich mittels einem erhitzten Drahtstift ein kleines Loch reingeschmolzen. Hier passt perfekt die Befestigung des Siebs rein. Damit „schwimmt“ der Hopfen mittig im Jungbier.5



Das Umfüllen oder eher Umdrücken des Jungbiers ist, sofern man alle benötigten Utensilien hat, denkbar einfach. Aber auch genau hier liegt der Haken.
Man benötigt einen zweiten Abfüllschlauch bzw. die Stecktülle von diesem. Den kombiniert man dann mit der zweiten Tülle und stellt sich so eine „Keg to Keg“ Verbindung her. Da man aber eh ein zweites Keg benötigt um umzufüllen und dort entsprechendes Material vorhanden ist, stellt es keine weitere Bedrohung dar. Ich selbst habe 3 Kegs und erspare mir somit das Umstecken der Tülle.

WICHTIG: Achtet am Anfang darauf, dass die Schlachklemme fest verschlossen ist, um ein ungewolltes Aufschäumen zu vermeiden!
Ich unterbreche nun das laufende Gärprogramm und entferne das mit Bier gefüllte Keg vorsichtig. Im System platziere ich dann das zweite, leere Keg und verbinde es mit dem CO2 Schlauch des Systems. Nun gebe ich über das „Botteling“ Porgramm ca 0,8 bis 1 Bar Durck auf das leere Keg und spüle es mit CO2. Dazu betätige ich insgesamt 3 mal das Überdruckventil und lasse den Druck entweichen. Da CO2 leichter ist als Luft, sammelt sich diese oberhalb des CO2 und wird somit ausgespült.


Dann verpasse ich dem Keg noch einmal Druck und entnehme es.
Das mit Bier gefüllte Keg wird nun wieder ins System gepackt mit dem CO2 Schlauch verbunden. Beide Kegs werden nun mittels des Keg to Keg Adapters verbunden.
Nachdem ich mich versichert habe, dass alle Verbindungen fest sitzen, öffne ich die Schlauchklemme vorsichtig. Sofort beginnt das Bier von einem Keg zum Hopfen-Keg überzulaufen. Stoppt der Zulauf, entlüfte ich das Hopfen-Keg etwas, damit wieder Bier nachströmen kann. Das mache ich so lange, bis das gesamte Bier im neuen Keg ist.



Nun entferne ich das jetzt leere Keg bzw. tausche es mit dem neuen Keg. Im Anschluss stell ich mittels MasterMode die restliche Fermentierung bzw. Cold Crash und Karbonisierung ein.
Im leeren Keg ist schön der Gärschlamm zu sehen. Ich bin mir hier noch nicht sicher, ob ich nicht etwas mehr davon hätte mit überströmen lassen sollen. Zum einen war/ist noch leichte Gäraktivität zu verzeichnen gewesen und zum anderen handelt es sich bei dem Bier ja um ein „Hazy“ – nun bin ich gespannt wie „Hazy“ das Bier später sein wird.

Fertig ist der Zauber – schnell und einfach – in 10 Minuten erledigt.
Mehr folgt, wenn das Bier fertig ist.
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