Heute war mal wieder Brautag – was bei mir meistens bedeutet, dass ich erneut irgendetwas ausprobiere. Angedacht (und die Betonung liegt wirklich auf A-N-G-E-D-A-C-H-T) war ein Klon eines zweifach gehopften, untergärigen Lagerbieres einer bekannten Brauerei aus Dublin. In Anlehnung an meine Hausnummer bekam das Projekt den Namen Brew House 20.

„Angedacht“ deshalb, weil ich – entgegen der im REZEPET vorgesehenen Schüttung – kurzerhand das Wiener Malz mit dem Weizenmalz verwechselt habe… na ja, so halb zumindest. Es fiel mir auf, bevor bereits 1,1 kg Weizenmalz im Kessel gelandet waren. Klugerweise wollte ich dann anteilig etwas zurückschütten – dabei ging allerdings alles komplett durcheinander. Am Ende bestand die Schüttung aus exakt 4,33 kg einer Maris-Otter-Zombie-Mischung.
Ich sag mal so: Sollte dieses Bier geschmacklich ein echtes Erlebnis werden, habe ich ein Problem – ich werde es nie wieder exakt so hinbekommen. 😄

Aber back to topic:

Das Wasser hatte ich bereits am Vorabend durch den Filter laufen lassen und – wie immer – die Küche gleich mit gereinigt und desinfiziert. Alle benötigten Utensilien lagen bereit, sodass ich am Brautag nur noch den Grainfather sowie meine Brausoftware auf dem Raspberry Pi starten musste.

Eingemaischt wurde bei 70 °C. Zehn Minuten nach dem Mash-In habe ich den pH-Wert kontrolliert: 5,5 war mir etwas zu hoch, sodass ich mit etwa 3–4 ml Milchsäure nachjustierte, um auf 5,3 zu kommen. Kurz darauf folgte der Maischhopfen in Form von 10 g Topaz.

Etwas zu hoch

Um die Maische beziehungsweise die Effizienz etwas zu steigern, wollte ich dem „Sergeant Sparge Head“ von Kegland mal wieder eine Chance geben. Ich weiß nicht warum – ob ich beim Schroten etwas falsch mache oder woran es sonst liegt –, aber der Würzeverteiler hat sich nach wenigen Sekunden erneut zugesetzt. Die Idee dahinter finde ich eigentlich ziemlich smart: Die rezirkulierende Würze gleichmäßig über die gesamte Maische zu verteilen, statt sie punktuell zurückzuführen. In der Praxis war das Teil bei mir jedoch noch bei keinem Sud wirklich nutzbar. Für CIP? Absolut – super Teil. Für die Zirkulation? Meh…

Links der Würzeverteiler, der leider viel zu schnell verstopft
Ohne Würzeverteiler lief es besser und gleich noch die Hopfen dazu

Nach 60 Minuten war der Jodtest unauffällig („Jod normal“), sodass ich mit dem Läutern beginnen konnte. Diesmal ganz ohne das obligatorische Abmaischen bei 78 °C: Flame-out, Korb hoch und nachgeschwänzt.

Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, die ersten 5–6 Liter Würze abzuzapfen und erneut über den Treber laufen zu lassen. In meiner Vorstellung verbessert das die Filtration und damit die Klarheit des Bieres – und selbst wenn nicht: Schaden kann es sicher nicht.

Die Stammwürzemessung vor dem Kochen war eine Punktlandung: 10,4 von 10,4 °P. Während der 60-minütigen Kochzeit rühre ich alle 10 bis 15 Minuten einmal über den Kesselboden, um ein Anbrennen zu vermeiden. 15 Minuten vor Kochende wanderte noch eine Tablette Whirlfloc zur Klärung in den Kessel.
Nach Kochende folgte die Whirlpoolhopfung bei 70 °C für 60 Minuten: 45 g Galaxy und 40 g Mosaic durften hier ihre Arbeit verrichten. Auch die Stammwürze nach dem Kochen war on point – 11,6 °P.

Stammwürze vor…
…und nach den kochen

Etwa 20–25 Minuten vor dem Stillstand des Whirlpools begann ich mit der Rehydrierung der Hefe: Zwei Packungen Gozdawa W3470 wurden in 200 ml abgekochtem und abgekühltem Wasser suspendiert, zehn Minuten stehen gelassen und anschließend leicht aufgeschwenkt.

Hefesuspension vor dem aufschwenken

Die fertige Würze wurde mit dem Gegenstromkühler auf 13 °C heruntergekühlt und über einen Feinfilter in den Fermenter geleitet. Hefe drauf, Deckel zu und ab an den Chiller zur kontrollierten Gärführung.
Gärplan: 13 °C für 14 Tage, gefolgt von drei Tagen Diacetylrast und anschließend fünf Tagen Cold Crash bei 2 °C.

Über den FIlter, in den Fermenter
Der „Rest“ im Braukessel

Die Hefe nahm ihre Arbeit zuverlässig auf und rund anderthalb Tage nach der Hefegabe begann das herrliche Blubbern.

Aktualisierung 09.02.2026

Die Gärung ist tot – lang lebe die Gärung!

Nachdem sich 3 Tage am Stück nichts mehr im Gärröhrchen getan hat und auch die Messungen keine große Änderung mehr zeigten, musste ich die Gärung für zu Ende erklären. Und das Ganze nach nur 8 Tagen…

Ziele deutlich nicht erreicht.

Da ich, wie schon geschrieben die Schüttung vermasselt habe, war mir schon bewusst, dass die gesteckten Ziele bzw. Werte vielleicht nicht erreicht werden würden. Auch war ich etwas gefrustet, dass ich die Rasten deutlich einkürzte.

Aus gedachten 5,0% vol wurden nur 4,3% vol und das Restextrakt lag mit fast 5°P doppelt über den geplanten 2,3°P vom Vergärungsgrand ganz zu schweigen – anstatt 81% kamen läppische 61% raus.

Werte am Ende der Gärung

Also begann das Abfüllen. Diesmal verwendete ich anstelle der üblichen Soda-Keg-Fässer 2x 8l „Oxebar Mini Kegs“ von Kegland mit den entsprechendem Setup. Diese übergroßen Plastikflaschen haben für mich den charmanten Vorteil, dass ich einfach mehr in meinem Getränkekühlschrank, welcher auch als Kegerator dient, unterbekomme. 3x 8l UND ein 19l Soda-Keg finden so, anstelle von nur 2 19l Soda-Kegs, ihren Platz.

Die Karbonisierung wird mittels raffiniertem Zucker herbeigeführt. 36g Zucker auf je 8l ergab meine Berechnung.

20°C Zimmertemperatur, sowie 36g Haushaltszucker je Keg, regen die Hefe wieder dazu an aktiv zu werden, um so CO2 zur Karbonisierung bereitzustellen

Das Abfüllen erfolgte mittels „Grainfahter Conical Fermenter Pressure Transfer„-Aufsatz direkt ins Keg, so dass kaum Sauerstoff involviert war.

Auf das Abfüllen direkt werde ich aber nochmal gesondert eingehen.

Jetzt karbonisiert das Bier bei Zimmertemperatur vor sich hin und ich bin schon gespannt, was nach 7 Tagen dabei rauskommt.


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