Beim Maischen entscheidet vor allem eines über den Charakter des Bieres: die Arbeit der Enzyme. Besonders zwei davon stehen im Mittelpunkt der Verzuckerung – α-Amylase und β-Amylase. Die sogenannte Kombirast nutzt genau diesen Umstand und hält die Maische in einem Temperaturbereich, in dem beide Enzyme gleichzeitig aktiv sind.
Wie dieses Zusammenspiel funktioniert und warum sich mit nur einer Rast gezielt Einfluss auf Vergärbarkeit, Körper und Mundgefühl nehmen lässt, zeigt der folgende Abschnitt.
Was ist die Kombirast?
Die Kombirast ist ein Maischverfahren, bei dem die gesamte Maische über längere Zeit bei einer einzigen Temperatur gehalten wird – meist zwischen 63 und 68 °C.
Der besondere Punkt dabei:
In diesem Temperaturbereich sind zwei entscheidende Enzyme gleichzeitig aktiv: β-Amylase und α-Amylase.
Genau dieses Zusammenspiel macht die Kombirast so beliebt – vor allem im Hobbybrauen.
Warum Enzyme beim Maischen so wichtig sind
Malz enthält Stärke.
Diese Stärke ist für die Hefe nicht vergärbar.
Erst Enzyme zerlegen die Stärke in:
- vergärbare Zucker
- nicht vergärbare Zucker
Welche Zucker entstehen, entscheidet über:
- Trockenheit oder Süße des Bieres
- Alkoholgehalt
- Körper
Die beiden Hauptakteure: β-Amylase & α-Amylase
β-Amylase – der Zuckerlieferant
Was macht die β-Amylase?
Die β-Amylase arbeitet sehr gezielt:
- Sie knabbert Stärke von den Enden her ab
- Dabei entsteht hauptsächlich Malzzucker (Maltose)
Maltose ist für Hefe sehr gut vergärbar.
Optimaler Arbeitsbereich
- Temperatur: ca. 60–65 °C
- pH-Wert: ca. 5,2–5,5
Einfluss auf das Bier
- Mehr β-Amylase-Aktivität →
- höherer Vergärungsgrad
- trockeneres Bier
- weniger Restzucker
Empfindlichkeit
- Wird oberhalb von ~65–67 °C langsam deaktiviert
- Hitzeempfindlich
α-Amylase – der Strukturgeber
Was macht die α-Amylase?
Die α-Amylase arbeitet grober:
- Sie schneidet Stärke mitten im Molekül
- Dabei entstehen:
- Dextrine (nicht vergärbar)
- größere Zuckerketten
Diese Zucker sorgen für Körper und Mundgefühl.
Optimaler Arbeitsbereich
- Temperatur: ca. 68–72 °C
- pH-Wert: ca. 5,4–5,7
Einfluss auf das Bier
- Mehr α-Amylase-Aktivität →
- volleres Bier
- mehr Restextrakt
- weicher Eindruck
Robustheit
- Deutlich hitzestabiler als β-Amylase
Warum die Kombirast so gut funktioniert
Bei der Kombirast (z. B. 65–67 °C):
- β-Amylase ist noch aktiv → vergärbare Zucker
- α-Amylase ist ebenfalls aktiv → Körper & Struktur
Das Ergebnis:
Ein ausgewogenes Zuckerprofil, ohne komplizierte Rastpläne.
Temperatur entscheidet über den Charakter
Wichtig zu verstehen ist, dass die gehaltene Temperatur ausschlaggebend für das spätere Bier ist. Was „normalerweise“ in zwei oder mehr Rasten erledigt wird, führen wir nun in einer (Kombi-)Rast herbei:
| Rasttemperatur | Dominierendes Enzym | Bierwirkung |
|---|---|---|
| 63–64 °C | β-Amylase | trocken, schlank |
| 65–66 °C | beide | ausgewogen |
| 67–68 °C | α-Amylase | voll, rund |
Schon 1–2 °C Unterschied haben spürbare Auswirkungen!
Möchte man ein trockeneres, schlankes Bier (mehr vergärbarer Zucker = höheren Alkoholgehalt) rastet man eher im Bereich der β-Amylase. Möchte man ein volleres, rundes Bier (mehr nicht vergärbarer Zucker = mehr Süße/Körper) rastet man im Bereich der α-Amylase. Ein ausgewogenes Profil erschafft man mit einer Rast in der beide Enzyme gleich stark aktiv sind.
Diese Grafik soll es etwas verdeutlichen:

Optional: Abmaischen bei ca. 78 °C
Die Kombirast ist kein vereinfachter Kompromiss, sondern ein bewusst gewähltes Maischverfahren, das die beiden wichtigsten Enzyme der Verzuckerung gleichzeitig nutzt. In einem Temperaturbereich von etwa 63 bis 68 °C arbeiten β-Amylase und α-Amylase parallel – mit jeweils unterschiedlicher Aufgabe, aber gemeinsamem Ziel.
Die β-Amylase sorgt in diesem Bereich für die Bildung gut vergärbarer Zucker und beeinflusst damit maßgeblich den Alkoholgehalt und die Trockenheit des Bieres. Die α-Amylase ergänzt diesen Prozess, indem sie größere Zuckerketten und Dextrine erzeugt, die dem Bier Körper, Mundgefühl und Struktur verleihen.
Das Zusammenspiel dieser beiden Enzyme macht die Kombirast besonders effektiv:
Mit nur einer Rast lässt sich ein ausgewogenes Zuckerprofil erzeugen, ohne komplizierte Temperaturstufen oder lange Rastfolgen. Kleine Unterschiede in der Rasttemperatur entscheiden dabei über den Charakter des Bieres – ob es eher schlank und trocken oder voll und rund ausfällt.
Moderne, gut gelöste Malze sind genau für dieses Verfahren optimiert. Sie bringen ausreichend Enzymkraft mit, sodass zusätzliche Rasten in den meisten Fällen keinen Vorteil mehr bieten. Entscheidend ist daher nicht die Komplexität des Maischplans, sondern die Kontrolle von Temperatur, Zeit und pH-Wert.
Die Kombirast zeigt eindrucksvoll, dass gutes Bier nicht aus möglichst vielen Einzelschritten entsteht, sondern aus einem verständigen Umgang mit den biologischen Prozessen im Sudhaus. Wer versteht, wie α- und β-Amylase arbeiten, kann mit einer einzigen Rast gezielt und reproduzierbar Einfluss auf das spätere Bier nehmen.
Gut Sud und Cheers!
Manuel


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